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Der Erscheinungstermin der ISO 14001:2015 hat sich verschoben. Die überarbeitete Neufassung der Umweltmanagementnorm war ursprünglich für den Januar 2015 angekündigt, nun wird der neue Standard voraussichtlich erst im Mai 2015 erscheinen. Kürzlich hat die zuständige Arbeitsgruppe der Internationalen Organisation für Normung (ISO) allerdings einen ersten Ausschussentwurf, einen sogenannten Committee Draft, vorgelegt.

Dem Diskussionspapier kommt eine Hinweisfunktion zur möglichen inhaltlichen Ausrichtung der Norm zu. Obwohl sich also noch weitere Änderungen und Aufweichungen des Normeninhalts ergeben können, enthält das Arbeitspapier doch erste Anhaltspunkte darüber, was die überarbeitete Umwelt-Norm für Unternehmen enthalten könnte.

Fest steht bereits jetzt, dass die überarbeitete Fassung der ISO 14001 immer noch auf dem „Plan – Do – Check – Act“-Modell beruhen wird, jedoch strukturelle Änderungen auf Basis des „SL-Anhangs“ aus dem Jahr 2012 erfolgen werden. Der „SL-Anhang“ ist ein standardisierter übergeordneter Normsetzungsrahmen, der Begriffsbestimmungen und Definitionen enthält, die für Unternehmen und sonstige Einrichtungen bei der Umsetzung von Managementsystem-Anforderungen aus verschiedenen Normen hilfreich sind. Die überarbeitete ISO-Norm wird darüber hinaus auch die von der ISO TC/207/SC1-Studiengruppe in ihrem Bericht „Future Challenges of EMS and ISO 14001“ erwähnten Empfehlungen berücksichtigen.

„Der Weg zur Veröffentlichung neuer oder überarbeiteter ISO-Normen ist oftmals lang. Die Inhalte der endgültigen Fassungen sind meist schwer vorherzusagen“, sagt Diana Lange, Vertriebsleiterin im Bereich System- und Service-Zertifizierungen bei der SGS-Gruppe Deutschland. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keinen Handlungsbedarf, jedoch ist es uns wichtig, unsere Kunden und auch alle anderen interessierten Kreise regelmäßig über aktuelle Entwicklungen auf dem Zertifizierungsmarkt zu informieren.“

Lesen Sie im Folgenden die wichtigsten möglichen Änderungen in der DIN EN ISO 14001: 2015, die der erste Ausschussentwurf vorschlägt:

DIN EN ISO 14001: 2015 – Mögliche neue Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem im Überblick

  • Geltungsbereich Der Geltungsbereich eines Umweltmanagementsystems soll künftig deutlich breiter gesteckt werden. U. a. soll dabei der Einhaltung der selbstgesteckten Unternehmensziele eine größere Bedeutung zukommen.
  • Begriffsbestimmungen Dieser Gliederungspunkt verweist auf den bereits erwähnten Anhang SL. Hier wurden neue relevante Definitionen ergänzt, um den breiteren Geltungsbereich von Umweltmanagementsystemen wiederzugeben, z.B. diese:

    • Lieferkette – Abfolge betrieblicher Tätigkeiten, in deren Reihenfolge dem Unternehmen Waren oder Dienstleistungen geliefert werden.
    • Wertschöpfungskette – Gesamte Reihenfolge betrieblicher Tätigkeiten, in der Werte in Form von Waren oder Dienstleistungen geliefert oder empfangen werden.
    • Produktlebenszyklus – Aufeinander folgende und miteinander verbundene Schritte bzw. Phasen eines Produktsystems – von der Beschaffung der Rohstoffe oder ihrer Gewinnung aus natürlichen Ressourcen bis hin zur schlussendlichen Entsorgung.

  • Umfeld des Unternehmens Unternehmen müssen sich Klarheit verschaffen über alle die externen und internen Aspekte, die ihre Zielerreichung in Sachen Umweltmanagement maßgeblich beeinflussen. Insbesondere umfasst dies „Umweltbedingungen, die sich auf die betriebliche Tätigkeit des Unternehmens, seine Waren und Dienstleistungen auswirken können“. Daneben haben die Unternehmen die außenstehenden Beteiligten, die für das Umweltmanagementsystem eine Rolle spielen, zu benennen und deren Bedürfnisse und Erwartungen zu bestimmen.
  • Unternehmensführung Die Anforderungen für die Einbindung der Unternehmensleitung in die Verantwortung wurden erhöht. Die oberste Führungsebene muss Führungsverantwortung und Engagement in Hinblick auf das Umweltmanagement beweisen, zum Beispiel durch Berücksichtigung umweltschutzrelevanter Leistungsparameter bei der strategischen Planung. Damit soll sichergestellt werden, dass Anforderungen des Umweltmanagements in die Kerngeschäftsprozesse miteinbezogen werden sowie dass die Vorgaben des Umweltmanagements zu den beabsichtigten Ergebnissen führen. Die oberste Führungsebene wird definiert als eine „Person oder Gruppe von Personen, die ein Unternehmen auf der höchsten Ebene leitet und kontrolliert“.
  • Umweltpolitik Das in der aktuellen Fassung der Norm zum Ausdruck kommende umweltpolitische Engagement wurde aufrechterhalten; die Verpflichtung zur Verhinderung von Umweltverschmutzung wurde um ein Engagement für den Umweltschutz erweitert, und zwar „… in dem unternehmensspezifischen Bereich, wie etwa nachhaltige Ressourcennutzung, Maßnahmen zur Minderung der Auswirkung des Klimawandels bzw. Anpassung daran sowie Schutz von Artenvielfalt und Ökosystemen oder sonstigen für den Umweltschutzfragen“.
  • Umweltschutz-Gesichtspunkte Hier ist die Einbeziehung eines Produktlebenszyklus bei der Prüfung von Umweltschutzmaßnahmen vorgesehen. Allerdings verlangt der Ausschussentwurf derzeit noch keine Bewertung dieses Produktlebenszyklus.
  • Gesetzliche Anforderungen Der Punkt „rechtliche und sonstige Anforderungen“ wurde ersetzt durch „gesetzliche Anforderungen und Selbstverpflichtungen“. Der Hauptunterschied zwischen „sonstigen Anforderungen“ und „Selbstverpflichtungen“ besteht darin, dass sich Unternehmen frei dafür entscheiden können, Selbstverpflichtungen einzugehen. Beispiele hierfür sind:

    • Vereinbarungen mit Kunden
    • Außerhalb eines gesetzlichen Regelungsrahmens formulierte Leitlinien
    • Freiwillige Grundsätze oder gute Betriebspraktiken
    • Freiwillige Umweltzeichen oder Produktverantwortungsverpflichtungen
    • Anforderungen von Handelsverbänden
    • Vereinbarungen mit Interessengemeinschaften oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs)
    • Unternehmenspolitische Anforderungen
  • Umweltschutzziele und Programme zur Verbesserung des Umweltschutzes Weitere Belege für den breiteren Geltungsbereich von Umweltmanagementsystemen finden sich im Passus zu den Umweltschutzzielen. Diese Ziele sollen künftig „unter Berücksichtigung der internen und externen Fragestellungen des Unternehmens“ weiterentwickelt werden. Außerdem „hat das Unternehmen für jede Zielvorgabe einen oder mehrere Indikatoren festzulegen, anhand derer der Leistungsumfang der Zielerreichung bewertet und nachgewiesen werden kann“. Dies ist eine neue Anforderung der ISO 14001, obwohl es Leistungsindikatoren bereits nach den Bestimmungen der Umweltbetriebsprüfung und nach der ISO 14005 gibt. Hinsichtlich der Festlegung von Leistungsindikatoren wird auf ISO 14031 verwiesen.
  • Planung und Kontrolle der Wertschöpfungskette Vor- und nachgelagerte Prozesse, die im Zusammenhang mit wesentlichen Aspekten stehen, müssen kontrolliert bzw. beeinflusst werden. Der Lebenszyklus des Geschäftsablaufs, der Ware oder Dienstleistung kann etwa auch den Transport, die Verpackung, die Endnutzung und die Entsorgung umfassen. Das Unternehmen muss Typ und Umfang der Kontrolle festlegen und in das Umweltmanagementsystem aufnehmen. Es gibt besondere Bedingungen für vom Unternehmen ausgelagerte Prozesse sowie die mit der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen im Zusammenhang stehenden Prozesse, einschließlich:

    • Der Aufstellung und Umsetzung von Kriterien zur Bewertung der Lieferung von Waren, Dienstleistungen und ausgelagerten Prozessen unter dem Gesichtspunkt des Produkt-, Dienst- oder Prozesslebenszyklus;
    • Festlegung von Umweltschutzanforderungen, die für die Beschaffung der jeweiligen Waren und Dienstleistungen oder ausgelagerten Prozesse geeignet sind;
    • Anforderungen zur Kommunikation mit Zulieferern, einschließlich von Subunternehmern.
  • Bewertung der Normeinhaltung Der Ausschussentwurf stärkt das Bewertungsverfahren. Unternehmen sollen sich künftig permanent einen Überblick darüber verschaffen, inwieweit sie die verschiedenen Normforderungen einhalten.
  • Allgemeines Die Begriffe „Dokument“ und „Aufzeichnung“, die in der ISO 14001:2004 verwendet werden, wurden im Ausschusspapier durchgängig durch den Ausdruck „dokumentierte Informationen“ ersetzt. Für das Thema Vorbeugemaßnahmen gibt es künftig keinen extra Regelungen mehr. Der Hauptgrund hierfür dürfte darin bestehen, dass einer der Hauptzwecke eines Umweltmanagementsystems ohnehin schon im vorbeugenden Handeln liegt.

Die SGS wird laufend über aktuelle Entwicklungen zur ISO 14001:2015 und den Zeitplan für die Veröffentlichung informieren.

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