Der globale Handel mit Konfliktmineralien steht in der öffentlichen Diskussion. Eine mehr als 40.000 Unterschriften starke Petition forderte erst kürzlich von der EU-Kommission verbindliche Vorgaben für den Import und Export von Diamanten, Gold, Tantal, Zinn und Wolfram. Die Initiative will den Raubbau von Mineralien eindämmen, der in Konfliktregionen immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen führt. Die Schmuck- und Uhrenbranche ist aufgefordert, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Die SGS ist der weltweit führende Zertifizierer und unterstützt die betroffenen Marktteilnehmer. Als unabhängige Prüfstelle überwacht sie entlang der Lieferkette, dass Regeln im Umgang mit Konfliktmineralien, Anforderungen an die Nachhaltigkeit sowie verbindliche Umwelt- und Arbeitsstandards eingehalten werden.

Der globale Rohstoffhandel mit Gold, Platinmetallen und Diamanten oder Zinnstein, Tantalit und Wolframit steht unter besonderer Beobachtung. In bestimmten Herkunftsregionen der Welt stehen die sogenannten „Konfliktmineralien“ im Fokus gewaltsamer Auseinandersetzungen. In Sierra Leone entfesselte sich zum Ende des 20. Jahrhunderts ein Bürgerkrieg um Diamantenvorkommen. In der Demokratischen Republik Kongo finanzieren seit 1998 Militärs und Rebellen Gewaltakte mit Gewinnen aus dem Verkauf von Bodenschätzen. In Abbaugebieten kommt es darüber hinaus zu Verstößen gegen die Menschenrechte, die Arbeitssicherheit sowie zu Raubbau und Umweltverschmutzung.

Responsible Jewellery Council Code of Practices

Organisationen wie das britische Responsible Jewellery Council (RJC) steuern seit einigen Jahren gegen diesen Negativtrend. Im RJC organisieren sich seit dem Jahr 2005 Unternehmen der weltweiten Lieferkette von Gold, Diamanten und Platinmetallen – darunter Schmuckfirmen aus Deutschland. Die an der Initiative beteiligten Minenbetreiber, Hütten, Raffinieren, Diamantenhändler, Schleifer und Polierer, Scheideanstalten, Schmuckhersteller und Einzelhändler achten den RJC Code of Practices (COP). Damit verpflichten sie sich, Korruption, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Sie gewährleisten gesunde und sichere Arbeitsbedingungen. Weiterhin wollen die Teilnehmer natürliche Ressourcen schonen und die Menschenrechte wahren. Darüber hinaus wollen sie ihr Unternehmen verantwortlich und nachhaltig leiten.

SGS führt RJC Code of Practice und Chain-of-Custody-Zertifizierungsaudits durch

Unabhängige Zertifizierer wie die SGS auditieren die Mitglieder alle drei Jahre. Die Besonderheit besteht darin, dass die Zertifizierung nicht nur das Mitgliedsunternehmen selbst umfasst, sondern alle Einheiten, die in der Lieferkette von Gold, Platinmetallen und Diamanten eine aktive Rolle spielen. Darunter fallen auch Unternehmen, die mit dem Mitgliedsunternehmen zusammenarbeiten. .

Dodd-Frank-Act und Meldepflichten für US-Firmen

Die ethisch korrekte Herstellung von Verbrauchsgütern beschäftigt die Politik und die Schmuck- und Uhrenbranche gleichermaßen. Im Zuge des in den USA im Jahr 2007 erlassenen Dodd–Frank Acts trat ein Bundesgesetz in Kraft. Börsen-gelistete US-Unternehmen legen seitdem jährliche Berichte über Konfliktmineralien in ihren Produkten vor. Der Beleg für nachhaltige Lieferketten oder regelmäßige Kontrollen der Chain-of-Custody erbringen die Firmen durch Zertifizierungen. Teilweise nehmen sie ihre europäischen Geschäftspartner und Abnehmer in die Pflicht.

Geplante Konfliktmineralierenverordnung der EU

In Europa wird seit einigen Jahren über eine Konfliktmineralienverordnung diskutiert. Ähnlich wie beim Dodd-Frank-Act könnte das Gesetz eine verpflichtende Zertifizierung für EU-Importeure vorsehen. Von einer EU-weiten Konfliktmineralienverordnung wären sowohl die deutsche Schmuck- und Uhrenbranche als auch zahlreiche benachbarte Wirtschaftzweige maßgeblich betroffen.

„Deutsche Verbraucher erwerben Schmuck nicht nur beim Juwellier, sondern auch in Modehäusern, Marken-Shops oder im Online-Versandhandel“, sagt Katja Wilde, bei der SGS Auditorin und Projektmanagerin für Nachhaltigkeit. „Wir bemerken derzeit eine wachsende Nachfrage nach RJC-Audits aus dem deutschen Einzelhandel. Stammen Rohstoffe für Echt- und Modeschmuck aus Bürgerkriegsgebieten oder anderen Konfliktregionen, kann dies negative Konsequenzen für hiesige Händler haben. Zwar sieht es die gesetzliche Lage noch nicht vor. Doch die Branche will etwaige Reputationsschäden vorbeugen sowie sich bereits auf eine mögliche Konfliktmineralienverordnung vorbereiten.“

Mit einer EU-weiten Regelung zum Umgang mit Konfliktmaterialien wäre für Anbieter ein lückenloses Lieferantenmanagement unerlässlich. Potenzielle Inverkehrbringer von „schmutzigem Gold“ oder Rohstoffen aus Konfliktländern könnten durch Zertifizierungen die globale Wertschöpfungskette ihrer Produkte zurückverfolgen. So könnten sie konkret Auskunft über die Herkunft der verarbeiteten Mineralien oder von Diamanten, Gold und Metalle der Platingruppe geben.

Ihr Weg zur RJC-Zertifizierung mit der SGS

Sie sind als Produzent, Lieferant oder Händler in der Schmuck- und Uhrenbranche tätig? Möchten Sie sich mit der Systematik einer RJC-Zertifizierung vertraut machen? Wollen Sie mehr über die Anforderungen eines RJC-Audits erfahren? Wenden Sie sich mit Ihren Fragen an die SGS-Gruppe Deutschland. Unsere Experten für Nachhaltigkeit in der Schmuck- und Uhrenindustrie führen Trainings durch und vermitteln Ihnen Ansprechpartner für unabhängige Auditierungen und Zertifizierungen. 

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