Bislang nutzen viele Unternehmen die BS OHSAS 18001:2007 „Occupational Health and Safety Assessment Series“ als Grundlage für ihre Managementsysteme im Arbeits- und Gesundheitsschutz. BS OHSAS 18001:2007 ist in mehr als 80 Ländern verbreitet. Nach dem Erscheinen der ISO 45001 im Herbst 2016 wird sie die erste internationale Norm für Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme sein und damit den britischen Standard OHSAS 18001 ablösen.

Annex SL Leitfaden

Wie bei anderen aktuellen ISO-Normen orientieren sich auch die Entwickler des Managementsystemstandards ISO 45001 am Annex SL, einem Leitfaden der ISO. Dieser soll gewährleisten, dass Managementsystemnormen künftig über gemeinsame Strukturen verfügen. Durch normenübergreifend einheitlich verwendete Begriffe sollen Unternehmen Managementsysteme künftig noch besser integrieren und weiterentwickeln können.

Die finale Version der ISO 45001 wird im Aufbau anderen Managementsystem-Normen wie der ISO 9001 und der ISO 14001 ähneln.

Absehbare Inhalte der ISO/DIN 45001 im Überblick

  • Die Norm fokussiert stark auf den Kontext der Organisation. Eine Organisation hat also Themen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes von interessierten Parteien (zum Beispiel Auftraggeber, Behörden, Öffentlichkeit, Sub-Unternehmen) zu berücksichtigen.
  • Übergeordnetes risikobasiertes Denken ist gefragt. Beim Einführen und beim Pflegen von Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystemen sind nicht nur Risiken im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz (OHS) zu berücksichtigen.
  • Die Verantwortung für ein Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem trägt die oberste Leitung. Es wird eine stärkere Führungskompetenz der Führungskräfte für den Arbeits- und Gesundheitsschutz gefordert.
  • Eine Organisation legt Arbeits- und Gesundheitsschutzkriterien für ihre Lieferanten und Auftragnehmer fest.
  • Der Begriff „Dokumente und Aufzeichnungen“ wird durch „Dokumentierte Informationen“ ersetzt. Somit sind auch elektronische Informationen erfasst, die in einem formalen Dokumentensystem nicht enthalten sind.

Organisationskontext

Das Ziel von ISO DIS/45001 besteht darin, einer ausgereiften Organisation ein konzeptionelles Verständnis des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu vermitteln. Die entsprechenden Aspekte, sowohl positive als auch negative, die eine Auswirkung auf die Organisation haben können, müssen betrachtet werden, um der Verantwortung gegenüber Arbeitnehmern, die im Verantwortungsbereichs des Managementsystems sind, gerecht zu werden.

Von Interesse sind hierbei vor allem die Aspekte, die sich auf die angestrebten Ziele, die sich eine Organisation im Arbeits- und Gesundheitsschutz gesetzt hat, auswirken können,. Dazu gehört auch die Einhaltung ihrer OHS-Politik, zu der sie sich verpflichtet hat.

Eine Organisation muss bestimmen, welche interessierten Parteien für ihr Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem relevant sind. Auch muss sie die Anforderungen für diese interessierten Parteien festlegen.

Risikobasiertes Denken

Eine Organisation muss Risiken und Chancen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes berücksichtigen, um sicherzustellen, dass ein Managementsystem die angestrebten Ergebnisse erreicht. Die Organisation muss dafür entsprechende Maßnahmen planen. Sie muss diese Maßnahmen in ihre Prozesse integrieren, sie implementieren und ihre Wirksamkeit bewerten.

Führung: Verpflichtung der Leitung

Die oberste Leitung muss künftig nachweisen, dass sie sich aktiv am Arbeits- und Gesundheitsschutz beteiligt. Sie muss zeigen, wie sie die Leistung des Managementsystems bei der strategischen Planung berücksichtigt und aktiv die Notwendigkeit eines wirksamen OHSMS kommuniziert.

Darüber hinaus muss die oberste Leitung eine führende Rolle im Arbeits- und Gesundheitsschutz übernehmen. Sie muss eine aktive Rolle einnehmen, um Personen aus sämtlichen Funktionen anzuleiten und zu unterstützen. Sie hat die Organisationskultur mit Blick auf das OHSMS zu fördern.

Outsourcing

Eine Organisation muss sicherstellen, dass ausgelagerte Prozesse, die ihr OHSMS betreffen, definiert und kontrolliert werden. Lieferanten und Auftragnehmer werden, wenn sie unmittelbar für die Organisation tätig sind, in diese Prozesse mit einbezogen.

Dokumentation

Der Begriff „Dokumentierte Informationen“ ersetzt „Dokumente und Aufzeichnungen“. Nachweise die nicht in einem formalen Dokumentationssystem, sondern in elektronischer Form vorliegen, werden nun akzeptiert.

Wie kann SGS helfen?

Die SGS bietet Schulungen zu den Anforderungen der ISO/DIS 45001, zum Leitfaden Annex SL und zum risikobasiertem Denken an. Auf Wunsch erstellen Experten GAP-Analysen, die den Wechsel von OHSAS 18001 auf ISO/DIS 45001 erleichtern.

Zukünftige Aktualisierungen

Mitglieder der ISO prüfen derzeit den aktuellen Entwurf der ISO 45001. In einem nächsten Schritt wird ein finaler Normentwurf (FDIS) herausgeben.

Eine Kopie des aktuellen Arbeitsstandes der ISO/DIS 45001-Norm ist im ISO-Store erhältlich.

Die offizielle ISO 45001-Arbeitsgruppe (ISO/PC 283) ist für die Ausarbeitung und Veröffentlichung der ISO 45001-Norm verantwortlich.

Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen zur ISO 45001 gern auf dem Laufenden.

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